Interview mit Markus Dörr

//Interview mit Markus Dörr

Interview mit Markus Dörr

Entwickler des Thermikators

Seit wann fliegst Du Gleitschirm?

Angefangen hat alles bei mir mit dem Modellbau und Modellflug. Damals war ich etwa 9 Jahre. Der Einstieg in dieses Hobby erfolgte wie so oft über meinen Vater. Mit 15 Jahre begann ich dann mit dem Segelfliegen, ebenfalls inspiriert von meinem Vater. Da die Wochenenden sowieso auf dem Flugplatz verbracht wurden lag das ja nahe. Die Segelfliegerei betrieb ich viele Jahre intensiv. Machte später noch die Kunstflugberechtigung, war einige Jahre Fluglehrer im Verein und kümmertet mich im Winter um die Wartung der Segelflugzeuge.

Nach dem Abschluss des Studiums und dem Einstieg ins Berufsleben wurde das alles zeitlich zu eng. Mein Studienfreund begann zu dieser Zeit, es war Frühjahr 1994 mit dem Gleitschirmfliegen. Anfangs belächelte ich diese Art des Fliegens. Irgendwann begleitete ich ihn mal an den Übungshang und schnappte mir seine Ausrüstung. Der kleine Hüpfer, vielleicht 2 Meter weit, hat mich total überwältigt. Von da an wollte ich auch Gleitschirm fliegen.

Seit wann entwickelst Du die QSL-80 Aufstiegshilfe?

Zu Beginn meiner Gleitschirmkarriere baute ich verschiedene Antriebe mit allerlei umfunktionierten Verbrennungsmotoren mit denen ich auch erfolgreich flog. Der Hintergedanke einmal einen leichten E-Antrieb zu bauen der einen beim Thermikeinstieg unterstützt war aber damals schon vorhanden. An passenden Motoren und Akkus fehlte es noch.

Erst 2013 habe ich diesen Gedanken wieder aufgegriffen und ein Konzept erarbeitet. Die Umsetzung in die Praxis ging recht flott innerhalb von 6 Monaten. Der Erstflug erfolgte im Juni 2014 und endete gleich in einem Thermikflug.
Seither wurde der Antrieb immer wieder verbessert. Waren anfangs nur Starts am Hang möglich, kann mittlerweile bei entsprechender Erfahrung auch auf der Ebene gestartet werden.

Wo kann man ihn kaufen?

Fliegerfreunde die ebenfalls in den Genuss des E-Starts kommen wollten, überzeugten mich eine kleine Serie aufzulegen. Angefertigt und aufgebaut werden von mir nur die mechanischen Teile. Der Einbau von Akku und Motor, der Anbau an das Gurtzeug und die Inbetriebnahme liegt in der Verantwortung jedes einzelnen. Ebenso die Einhaltung der rechtlichen Voraussetzungen. Die Auslegung der Mechanik ist so gestaltet das der Q80-Motor direkt eingesetzt werden kann. Also Controller bietet sich der Master Spin 170 an. Sehr gute Erfahrung hab ich mit den Top Fuel Power X Akkus gemacht. Für den kompletten Antrieb sind etwa Ausgaben von 3.500 € einzuplanen.

Wie ist die prinzipielle Einsatzweise?

Der typische Einsatzbereich des E-Antrieb „Thermikator“ ist es, den Thermikeinstieg im Flachland oder Mittelgebirgsraum zu vereinfachen. Entweder bei entsprechenden Bedingungen nach dem Start in der Ebene oder an einem kleinen Hang mit Motorunterstützung die ersten entscheidenden Höhenmeter zu machen um dann in die Thermik einzusteigen. Auf diese Art und Weise wird der Übungshang plötzlich zum Streckenflugspot.
Für längere Flüge mit Motor, beispielsweise um abends noch eine Sonnenuntergangsrunde zu drehen eignet sich der Antrieb weniger. Daher sind die Interessenten ausschließlich begeisterte Gleitschirmflieger und keine Motorschirmflieger.

Warum hast Du Dich für den Hacker Motor entschieden?

Mit dem Q80 hatte Hacker genau den Motor mit den passenden Leistungsdaten im Programm. Neben all den entscheidenden technischen Dingen gibt es aber noch ein ganz wichtiges Kriterium. Hacker Motor bietet ganz klar höchstwertige Motoren und Antriebskomponenten für fast alle Leistungsklassen. Hochspezialisierte Motorenentwickler haben mich bei der Auswahl beraten. Und bei Fragen gibt es einen kompetenten Service der telefonisch oder per Email erreichbar ist. Diese Faktoren haben maßgeblich zum Erfolg der E-Aufstiegshilfe beigetragen und sind für solch ein Projekt entscheidend.

Was ist Dein nächstes Projekt?

zunächst möchte ich nun weiter ausgiebig den Elektroantrieb für tolle Streckenflüge mit dem Gleitschirm zum Einsatz bringen. Parallel dazu technische Entwicklungen mitverfolgen und wenn sinnvoll diese im „Thermikator“ Antrieb einsetzen. Leider ist das Zeitfenster zum Gleitschirmfliegen durch meine reguläre Arbeit, private Verpflichtungen und weitere Hobbys, eigentlich viel zu klein 😉 und ganz ehrlich, was mir noch alles für Ideen kommen darauf bin ich selber gespannt.

Wie kann man Dich kontaktieren?

Erreichbar bin ich am besten per E-Mail. Informationen zum Thermikator-Antrieb findet man auch auf meiner Internetseite www.paragliding-kochertal.de
Oder man besucht mich auf dem Motorschirmtreffen in Mittelfischach am 9. und 10.September (www.ul-fischachtal.de).

Schlusswort

Ganz persönlich finde ich den Elektroaufstieg eine riesige Bereicherung für das Gleitschirmfliegen. Lange Anfahrtswege, die oftmals dann wegen veränderten Wetterbedingungen erfolglos waren gehören damit der Vergangenheit an.
Diese Startart mit dem Gleitschirm steckt noch in den Anfängen und ist momentan noch wenigen Piloten vorbehalten, wird aber ganz sicher in einigen Jahren viele Flieger in ihren Bann ziehen. Daran mitzuarbeiten ist auch Motivation für mich.

Markus Dörr