Interview mit Thomas Brandstetter

//Interview mit Thomas Brandstetter

Interview mit Thomas Brandstetter

Entwickler des Q150 Rucksackantriebes

Seit wann fliegst du Gleitschirm?

Generell fasziniert mich allgemein die Fliegerei seit Kindestagen. Mit 11 Jahren baute ich mein erstes 2-Achs gesteuertes Modellsegelflugzeug eine Carrera ASW 17 auf und lernte im Modellflugverein das Modellfliegen, und übe diesen schönen Freizeitsport bis heute aus.
Als Jugendlicher, als wir im Verein im Gebirge zum Hangfliegen waren, sah ich Ende der 80er Jahre den ersten Gleitschirm fliegen. Erst 2008 war es dann soweit und ich stand mit einem Freund am Übungshang mit einem Gleitschirm. Dachte vorerst das wird nix! 2009 kaufte ich mir einen alten Paramotor und Gleitschirm dazu. Erste „Hüpfer“ im Selbststudium waren sehr erfolgreich. Es folgte die klassische A/B Gleitschirmausbildung im Gebirge bei einer Flugschule die etwas später durch die Motorflugberechtigung ergänzt wurde.

Seit wann entwickelst du den Rucksack Motor und wie ist der aktuelle Status?

Meinen erster Benzin–Paramotor 2009 war sehr schwer und leistungsmäßig sehr schwach. Daher habe ich da ich ja viele Jahrzehnte elektrisch betriebenen Modellflug ausgeübt und habe Ende 2010 meine ersten Versuche gemacht auch manntragend elektrisch zu fliegen. Ab Mitte 2011 waren schon einige Minuten Flugzeit möglich. Weitere Versuche mal im Direktantrieb aber auch Getriebelösungen wurden gebaut und geflogen. Seit etwa 2013, die Akkus wurden besser und erste Flüge über 20 Minuten waren möglich. Heute 2017 nach 4 verschiedenen Konzepten, die alle flugtauglich sind und auf heute noch geflogen werden kann ich sagen das das Thema Elektroflug machbar ist und auch vollends ausgereift ist.

Wo kann man ihn kaufen, was kostet das System, aus welchen Komponenten besteht es?

Ich habe für die Firma FTR in Deutschland in partnerschaftlicher Zusammenarbeit ein compactes System entwickelt, das als elektrische Variante des mittlerweile weltweit sehr bekannten Moskito-light dient. Im Prinzip kann durch lediglich 4 Schrauben das Benzinaggregat gegen das elektrische System getauscht werden. Ebenso der Benzintank gegen den Antriebsakku.
Das System ist vom Gurtzeug und Rahmensystem dem Berg / Thermikfliegen gesehen sehr nahe. Daran befestigt ist die Einheit, die den Hacker Q 150 sowie einen Controller von MGM trägt. Mit auf der Grundplatte ist auch die mechanische Ansteuerung für das Handgas.

Die Telemetrie ist von Iisi, die alle wichtigen Daten vom Antriebsstrang und Akku drahtlos zum Display des Pilotencockpits sendet. Alle Teile wie die CNC gefrästen Grundplatte, Ansteuerungsteile für das Handgas wie auch die Carbonhaube wird bei mir im Betrieb hergestellt.Akkuseitig wird meist eine Kapazitätsgröße von etwa 36 Ah mit 14 LiXX Zellen in Serie verwendet. Der Preis vom Serien Moskito-light E ist sehr stark abhängig vom Antriebsakku und ist auf der Website von FTR zu finden.
Antriebslösungen die ich selber direkt für Kunden aufbaue werden individuell nach verwendetem Gurtzeug, Rahmen und Akkugröße berechnet. Wobei als Komplettsystem etwa 9.000 € bis 12.000 € veranschlagt werden müssen.

Wie ist die prinzipielle Einsatzweise und wer sind die Kunden?

Aktuell macht das E-Flugsystem am meisten Sinn einen Leistungsstarken Gleitschirm zu fliegen der auch am Berg oder Flachlandstrecken / Thermik-Flügen verwendet wird. Selbstverständlich funktioniert dieser auch für gemütliche Abendrunden ein klassischer Motorschirm sehr gut. Die Kunden sind überwiegend Piloten, die eigentlich keinen klassischen Benzin-Motorantrieb wollen, aber mangels Möglichkeiten vom Berg oder Winde zu fliegen eine einfache Lösung suchen trotzdem jederzeit sehr einfach fliegen zu können.

Unsere Systeme sind extrem leise, da wir uns im Flug mit einem hocheffizienten Propeller weit unter 2200 U/min bewegen. Leider wird heute noch immer oft das Geräusch der Propeller von Piloten mit Verbrennern falsch dargestellt da diese selber mit oft weit über 2500 U/min fliegen und da dann der Propeller der Hauptverursacher von Lärmprobleme gilt.

Warum hast du dich für den Hacker Motor entschieden?

Diese Frage ist sehr einfach zu beantworten, da ich die Firma Hacker ja schon sehr lange kenne und meine Modellflugzeuge und Modellhelis damit ausgerüstet sind und ich immer gute Erfahrungen damit hatte. Als der Q150 erstmals im Internet auftauchte suchte ich den Kontakt zu Hacker Industrial Solutions. Einige Wochen später war der erste Motor in meinem fliegenden „Prüflabor“ (Standartrahmen mit sämtlicher Telemetrie plus vollständiger GPS Auswertung) eingebaut. Testflüge folgten inkl. Dauertests am Schubprüfstand inkl. Analyse mit Thermocam. Dann war eindeutig klar, das ist genau der Antrieb der für elektrische Aufstiegshilfen perfekt geschaffen ist. Sehr leicht, hocheffizient und qualitativ von der Verarbeitung im absolut obersten Segment angesiedelt. Made in Germany!

Was ist dein nächstes Projekt?

Aktuell baue ich ein Para-Trike auf, das mit sehr leistungsstarken Akkus auch Piloten die Möglichkeit eröffnet elektrisch zu fliegen wenn z. B. aufgrund körperlicher Einschränkung der typische Laufstart nicht so einfach möglich ist. Als Besonderheit gilt hier das der 3-Blatt Propeller mit nur 2 mm Luftspalt in einem Mantelring aus Carbon läuft das effektiv zur Lärmreduktion und gleichzeitiger Leistungssteigerung führt. Aber auch im Bereich Liegegurtsystem mit elektrischer Schubwinkelverstellung wird sicher demnächst noch einiges kommen …

Wie kann man dich kontaktieren?

Am einfachsten über meine Website „custom-paramotors.com“. Auch auf so machen Paramotortreffen in Deutschland und Österreich bin ich mit meinen Antrieben als aktiver Pilot dabei.

Schlusswort von dir:

Die Elektrofliegerei soll nicht die Verbrennungsmotoren ersetzen, sondern zukünftig eine völlig eigene schöne ruhige, leise unkomplizierte Art des Fliegens ermöglichen. Sehe einer langfristigen partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Hacker Motor mit Freude entgegen.

Thomas Brandstetter